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Hans Mundorf, ehemaliges Mitglied der Chefredaktion des "Handelsblatt", nimmt sich die neoliberalen Dogmen in der Wirtschafts-, Sozial- und Steuerpolitik vor und kritisiert ihren Hang, Lösungen immer nur zu Lasten der Arbeitnehmer und sozial Schwachen zu suchen
Mit einem Vorwort von Jürgen Peters
OBS-Schriftenreihe im VSA-Verlag
216 Seiten; zahlreiche Fotos (2006)
ISBN 3-89965-174-X
"Die neue Schriftenreihe der Otto Brenner Stiftung will in die aktuelle Diskussion eingreifen und stellt damit die Auswüchse des Neoliberalismus und des grenzenlosen Aktionärskapitalismus, wie er derzeit immer öfter zu beobachten ist, in Frage. Es werden Beiträge veröffentlicht, die sich kritisch, aufklärerisch und pointiert mit dem in Deutschland vorherrschenden Modell des Neoliberalismus auseinander setzen und Alternativen aufzeigen."
(Jürgen Peters)
Dreißig Jahre einer neoliberalistisch bevormundeten Wirtschaftspolitk waren nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen westlichen Welt "die Direttissima zum Gipfel der Arbeitslosigkeit". Das Versprechen, über die Deregulierung der Märkte, Steuersenkungen für Unternehmen und den Abbau der sozialen Rechte zu mehr wirtschaftlichem Wachstum und Wohlstand für alle zu kommen, wurde nicht eingelöst.
Hans Mundorf zeigt Irr- und Abwege der ökonomischen und politischen Eliten auf. "Gelobt sei, was Arbeit schafft, heißt die Parole, und nichts ist sozial, was nicht dem Zweck der Arbeitsbeschaffung dient. Dieser groben und oft der Gerechtigkeit widersprechenden These könnte dennoch zugestimmt werden, wenn mit den propagierten Mitteln auch der Zweck erfüllt würde. Die aktuellen Mittel, die von Verbänden, Wissenschaftlern und Politikern zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit angeboten werden, sind jedoch nur Placebos. Durch die Verlängerung der Arbeitszeit, die Aufhebung des Kündigungsschutzes, die Verlagerung der Tarifpolitik in die Betriebe, die Reduzierung der Sozialabgaben, die Senkung der Unternehmenssteuern wurden, wie die Entwicklung des letzten Jahrzehnts beweist, keine neuen Arbeitsplätze geschaffen."
Die WählerInnen haben dieser Politik die rote Karte gezeigt: "Die Bundestagswahl im September 2005 hat bewiesen, dass in einer Demokratie die Rigorosität einer Marktwirtschaft nicht hingenommen wird." Dabei erwartet Mundorf von der großen Koalition keine grundlegende Veränderung. Er gibt ihr allerdings den Rat zu lindern, wenn schon nicht zu heilen, z.B. durch die Koppelung von Subventionen an Beschäftigungseffekte. Andernfalls drohe "die Niederlage der Demokratie, die Abwendung von der Ordnungsmacht der Parteien, die allgemeine Politikverachtung, der Starke Mann oder das Chaos."
Hans Mundorf, geboren 1929 in Troisdorf, studierte Volkswirtschaft in Bonn und begann 1956 seine journalistische Laufbahn als Redaktionsassistent beim "Industriekurier". 1994 beendete er als Ressortleiter "Wirtschaft und Politik" und Mitglied der Chefredaktion seinen aktiven Dienst in der Redaktion des "Handelsblatt", für das er bis 2003 als leitender Kolumnist weiter arbeitete.
Jürgen Peters