Otto Brenner Shop

Alle Publikationen der Otto Brenner Stiftung sind kostenfrei im Otto Brenner Shop bestellbar. Um auch weiterhin die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung in dieser Form anbieten zu können, freut sich die Otto Brenner Stiftung über Spenden. Die Spendenkonten der Otto Brenner Stiftung finden Sie hier.

Die OBS-Arbeitspapiere werden nicht in gedruckter Form von der Otto Brenner Stiftung angeboten, stehen aber zum freien Download zur Verfügung.

OBS-Arbeitspapiere

OBS-Arbeitspapier Nr. 15: Der junge Osten: Aktiv und Selbstständig

Autor/en:

Roose, Jochen

Veröffentlichungsdatum:

06.07.2015

Engagement Jugendlicher in Ostdeutschland

Die Studie zeigt, dass es in Ostdeutschland die Jugend ist, die – 25 Jahre nach der politisch vollzogenen deutschen Einheit – einen für eine demokratische Gesellschaft unentbehrlichen Beitrag leistet: Es sind die ostdeutschen Jugendlichen, die das durch die DDR-Politik weitgehend aufgelöste freiwillige zivilgesellschaftliche Engagement entwickeln und die Zivilgesellschaft maßgeblich aufbauen. Aufgabe der Politik und der Zivilgesellschaft ist es, die Jugendlichen damit nicht alleine zu lassen und besonders in die Bildung zu investieren. Denn Bildung – das zeigt die Studie auch – schafft Engagement. Über die große Bedeutung hinaus, die freiwilliges Engagement für die demokratische Kultur und das soziale Zusammenleben in einer Gesellschaft hat, gibt es noch weitere Gründe, die ostdeutsche Jugend zu unterstützen: Die jetzige Situation stellt hohe Anforderungen an die Jugendlichen, was diejenigen mit niedrigerer Bildung tendenziell benachteiligt. Eine breite Unterstützung hilft somit auch, die soziale Selektivität zu verringern.

Ehrenamtliches Engagement gilt nicht nur als der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält, sondern trägt auch zur Stärkung der Demokratie bei. 25 Jahre nach der Vollendung der staatlichen Einheit gehen wir der Frage nach, ob sich das Engagement der Jugend zwischen Ost- und Westdeutschland unterscheidet. Jochen Roose (Universität Wrocław /FU Berlin), der Autor der OBS-Studie, untersucht das Engagement Jugendlicher in Ostdeutschland und findet erstaunliche Antworten. Sein Befund: Es sind vor allem die jungen Menschen in Ostdeutschland, die dort die Zivilgesellschaft aufbauen. Die Studie fragt nach den Bedingungen, die ein Engagement bei Jugendlichen wahrscheinlicher machen. Darüber hinaus wird in weiterführenden Analysen u.a. nach der Art des Engagements der Jugendlichen differenziert. Es werden drei Datensätze (Freiwilligensurvey, AID:A, und Shell-Jugendstudie) in vergleichender Perspektive mit Westdeutschland ausgewertet.

Die wichtigsten Ergebnisse sind:

Es gibt eine Angleichung des Engagements zwischen Ost- und Westdeutschland durch die junge Generation. Die Quote für allgemeines freiwilliges Engagement der Bevölkerung in Ostdeutschland liegt bei 30% und somit unterhalb des westdeutschen Wertes (37%). Blickt man jedoch auf die Jugend, so liegen Ost- und Westdeutschland auf annähernd gleichem Niveau. Das deutet auf eine mittelfristige Angleichung des Engagements hin. Der niedrigere Gesamtwert im Osten kommt durch eine im Ost-West-Vergleich überdurchschnittliche Abstinenz beim Engagement der Erwachsenen zustande. Erklären lässt sich dieser Unterschied mit einer schlechteren zivilgesellschaftlichen Infrastruktur. Gründe dafür sind z.B. die Auflösung vieler Vereine nach der Wende und die nachhaltige Diskreditierung von Engagement in der DDR durch dessen Zwangscharakter.

Die Studie zeigt, dass es in Ostdeutschland die Jugend ist, die – 25 Jahre nach der politisch vollzogenen deutschen Einheit – einen für eine demokratische Gesellschaft unentbehrlichen Beitrag leistet: Es sind die ostdeutschen Jugendlichen, die das durch die DDR-Politik weitgehend aufgelöste freiwillige zivilgesellschaftliche Engagement entwickeln und die Zivilgesellschaft maßgeblich aufbauen. Aufgabe der Politik und der Zivilgesellschaft ist es, die Jugendlichen damit nicht alleine zu lassen und besonders in die Bildung zu investieren. Denn Bildung – das zeigt die Studie auch – schafft Engagement. Über die große Bedeutung hinaus, die freiwilliges Engagement für die demokratische Kultur und das soziale Zusammenleben in einer Gesellschaft hat, gibt es noch weitere Gründe, die ostdeutsche Jugend zu unterstützen: Die jetzige Situation stellt hohe Anforderungen an die Jugendlichen, was diejenigen mit niedrigerer Bildung tendenziell benachteiligt. Eine breite Unterstützung hilft somit auch, die soziale Selektivität zu verringern.

25 Jahre nach dem Fall der Mauer und der Überwindung der deutschen Teilung ist die staatliche Einheit längst vollzogen und auch der Institutionentransfer (weitgehend) erfolgreich abgeschlossen. Dass zudem in Ostdeutschland auch die Zivilgesellschaft inzwischen auf einem guten Weg ist, gibt Anlass, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen: Gegensätze werden abgebaut, Trennendes verliert an Bedeutung, Gemeinsamkeiten bestimmen mehr und mehr das Bild. Kein schlechtes Omen, im Herbst 2015 ein Vierteljahrhundert deutsche Einheit zu feiern.